Mit dem Aufstieg des wissenschaftlichen Denkens im 15. Jahrhundert endete das Mittelalter. Kleine Kinder zeigen uns, wie Wissenschaft geht. Sie sehen etwas und fragen: Was ist das? Wie funktioniert es? Wir antworten, formulieren eine Hypothese. Nun kommt das Wesentliche. Das Kind prüft, ob unsere These stimmt. Wehe, es findet einen Fehler. „Mama, das ist doch ein Leopard und kein Löwe!“. Dann ist unsere These widerlegt und wir müssen eine neue Erklärung suchen. Nur die Wirklichkeit zählt. Die Erde dreht sich um die Sonne, auch wenn alle Universitäten das Gegenteil lehren. Das taten sie vor Kopernikus. Wissenschaftliches Denken führt nie zu einem in Stein gemeißelten Weltbild. Behauptungen wie „97 % aller Wissenschaftler sind sich einig“[1] sind ein Rückfall in vorwissenschaftliche Autoritätsgläubigkeit.
Johann Wolfgang von Goethe sah in der Natur ein „offenbares Geheimnis“, das der Mensch mit Beobachten und Denken entschlüsselt. Der Wissenschaftler Faust ringt um die Wahrheit:
„Geheimnisvoll am lichten Tag,
lässt sich Natur des Schleiers nicht berauben,
und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag,
das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben.“
Bis ins 19. Jahrhundert trugen gelehrte Amateure wie Benjamin Franklin, Luigi Galvani, Alessandro Volta, Alexander von Humboldt und Michael Faraday mit guten Ideen und unermüdlichen Versuchen wesentlich zum Fortschritt bei.
Im Gegensatz zu Goethe sucht die heutige Naturwissenschaft Erkenntnis weitgehend mit leblosen Apparaturen. Dabei wird der Mensch als subjektiv, als Störfaktor angesehen. Sie sucht das „was die Welt im Innersten zusammenhält“ in immer kleineren Teilchen. Für ihre Erforschung sind sehr komplexe und teure Geräte notwendig. Kaum ein Mensch hat ein Rasterelektronenmikroskop oder einen Teilchenbeschleuniger wie den Large Hadron Collider des CERN jemals im Original gesehen geschweige denn mit ihm gearbeitet. Damit wird die Grundlagenforschung etablierten Universitäten des jeweiligen Fachgebietes und Konzernen vorbehalten. Institute, die von Almosen der Industrie und des Staates abhängen, können in eine Schuldknechtschaft gedrängt werden. So wird freies, ergebnisoffenes Forschen verhindert.
Jeden Tag treffen wir Urteile. Es gibt kognitive (richtig / falsch), emotionale (schön / hässlich, gefällt mir / gefällt mir nicht) und moralische Urteile (gut / böse). Die Naturwissenschaft beschränkt sich auf kognitive.
Wir müssen genau beobachten. Ein Stein und Glassplitter im Wohnzimmer verraten einen Ablauf: Der Stein ist durch die Fensterscheibe geflogen und hat sie zerbrochen. Das nennt man Kausalität. An heißen Tagen essen wir mehr Himbeereis als an eisigen Wintertagen. Das ist ein statistisch belegter Zusammenhang, eine Korrelation. Wir kennen Ursache und Wirkung. Deshalb versucht niemand, mit Eis essen das Wetter zu beeinflussen.
Mathematik entsteht aus dem Denken. Ein Punkt bleibt auch bei myriadenfacher Vergrößerung ein Punkt. Mathematik führt – richtig ausgeführt – immer und überall zu den gleichen Ergebnissen. Deshalb ist Mathematik genauso wie Logik eine Geisteswissenschaft.
Physik dagegen beruht wie jede Naturwissenschaft auf Beobachtung. Beobachtete Zusammenhänge werden mit Hilfe der Mathematik dargestellt. Unerheblich erscheinende Parameter werden vernachlässigt. Messunsicherheiten und ihre Fortpflanzung können uns auf eine falsche Fährte führen. Jedes Fach hat eigene Naturgesetze und feste Grenzen. Die Physik kann eine Knallgas-Explosion nicht erklären. Keine Naturwissenschaft kann Leben, Seele und Geist verstehen.
Wir wissen nicht, ob naturwissenschaftliche Gesetze immer und überall gleich sind. Unsere Erde hat einen Durchmesser von 12.742 km. Die tiefste Bohrung[2] erreichte eine Tiefe von etwas über 12 km. Das Innere der Erde entzieht sich genauso wie das Innere der Sonne unserer Beobachtung. Kein irdisches Raumschiff hat je ein anderes Sternesystem geschweige denn eine andere Galaxie erreicht.
In jeder Wissenschaft gibt es Glaubenssätze, die innerhalb dieser Wissenschaft nicht bewiesen werden können. Mathematiker nennen sie Axiome, Theologen Dogmen. Wenn ich meine Glaubenssätze erkenne, habe ich die Freiheit, sie zu ändern. Sind sie festgelegt, führen die Gesetze der Logik zu zwingenden Ergebnissen.[3] Jeder Wissenschaftler sollte sich bewusst sein, auf welchen Glaubenssätzen seine Aussagen aufbauen.
Die Quantenmechanik löst die Materie in nicht materielle Energiepotentiale auf. Zwei miteinander verschränkte Teilchen haben immer gleiche, zufällige Eigenschaften – auch wenn sie tausende km voneinander entfernt sind. Der österreichische Physik-Nobelpreisträger Anton Zeilinger[4] hat gezeigt, dass sie seit der Entstehung der kosmischen Hintergrundstrahlung – die unmittelbar nach dem Urknall angesetzt wird – nicht miteinander in Verbindung waren. Dieses Rätsel lässt sich nur lösen, wenn wir eine Wirklichkeit jenseits des Materiellen anerkennen.
Jeder Mensch sollte Logik, Wissenschaftstheorie und selbständiges Denken lernen. Dazu müsste die Wissenschaft den Einflüssen von Staat und Konzernen entzogen werden. Nur in Freiheit kann die Wissenschaft die Wahrheit ergründen.
[1] https://www.anti-spiegel.ru/2020/menschengemachter-klimawandel-wie-einig-ist-sich-die-wissenschaft-wirklich, aufgerufen am 11.05.2023
[2] Kola-Bohrung, 1989
[3] Axel Burkart: Mit einem Satz das Leben ändern, ISBN: 978-3424152012
[4] https://rudolphina.univie.ac.at/anton-zeilinger-einladung-zum-nobelpreis-vortrag, aufgerufen am 11.05.2023




